Regenwassernutzung & Entwässerung im Mehrfamilienhaus 2026: Technik, Kosten und Einsparpotenzial
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Regenwassernutzung & Entwässerung im Mehrfamilienhaus: Pflichten, Technik und Einsparpotenzial
Regenwasser ist eine wertvolle Ressource, die in vielen Mehrfamilienhäusern ungenutzt im Kanal verschwindet. Gleichzeitig steigen die Niederschlagswassergebühren in deutschen Kommunen kontinuierlich an. Wer die Entwässerung seines Gebäudes optimiert und Regenwasser sinnvoll nutzt, kann Kosten sparen, die Umwelt schonen und gleichzeitig seinen gesetzlichen Pflichten nachkommen.
Die Entwässerung eines Mehrfamilienhauses umfasst zwei Bereiche: die Schmutzwasserentsorgung (Abwasser aus Küche, Bad und WC) und die Niederschlagswasserentsorgung (Regenwasser von Dach- und versiegelten Flächen). Während das Schmutzwasser zwingend in die Kanalisation geleitet werden muss, gibt es für das Niederschlagswasser verschiedene Optionen – von der Einleitung in den Kanal über die Versickerung auf dem Grundstück bis hin zur aktiven Nutzung.

Niederschlagswassergebühr: So wird sie berechnet
Die meisten deutschen Kommunen erheben eine gesplittete Abwassergebühr: Schmutzwasser wird nach dem Frischwasserverbrauch berechnet, Niederschlagswasser nach der versiegelten Fläche des Grundstücks. Die Niederschlagswassergebühr liegt je nach Kommune zwischen 0,50 und 2,50 Euro pro Quadratmeter versiegelter Fläche pro Jahr. Bei einem Mehrfamilienhaus mit 800 Quadratmetern versiegelter Fläche können so jährlich 400 bis 2.000 Euro an Niederschlagswassergebühren anfallen.
Wer die versiegelte Fläche reduziert – etwa durch Entsiegelung von Stellplätzen, Anlage von Grünflächen oder den Einbau von wasserdurchlässigem Pflaster – kann die Gebühr deutlich senken. Auch Dachbegrünungen werden von vielen Kommunen bei der Gebührenberechnung positiv berücksichtigt, da sie einen Teil des Niederschlagswassers zurückhalten und verdunsten lassen.
Regenwassernutzung: Möglichkeiten und Technik
Eine Regenwassernutzungsanlage sammelt das Niederschlagswasser vom Dach in einer Zisterne und stellt es für die Toilettenspülung, die Waschmaschine oder die Gartenbewässerung zur Verfügung. In einem Mehrfamilienhaus mit zehn Wohneinheiten lassen sich so pro Jahr 200 bis 400 Kubikmeter Trinkwasser einsparen – das entspricht einer Kosteneinsparung von 600 bis 1.600 Euro bei aktuellen Wasserpreisen.
Die Investitionskosten für eine Regenwassernutzungsanlage bei einem Mehrfamilienhaus liegen zwischen 8.000 und 20.000 Euro – je nach Größe der Zisterne, der Anzahl der angeschlossenen Verbrauchsstellen und dem Installationsaufwand. Die Amortisation erfolgt bei günstigen Bedingungen innerhalb von 8 bis 15 Jahren. Zusätzlich reduziert sich die Niederschlagswassergebühr, da das genutzte Regenwasser nicht mehr in den Kanal eingeleitet wird.

Versickerung auf dem Grundstück
Eine Alternative zur Regenwassernutzung ist die Versickerung auf dem eigenen Grundstück. Versickerungsmulden, Rigolen oder Sickerschächte leiten das Regenwasser in den Boden und entlasten die Kanalisation. Viele Kommunen fördern die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung und gewähren Gebührennachlässe, wenn das Niederschlagswasser nicht mehr in den Kanal eingeleitet wird. Die Versickerung muss allerdings den Anforderungen der DIN 4261 und den lokalen Bauvorschriften entsprechen.
Wartung und Instandhaltung der Entwässerungsanlagen
Dachrinnen und Fallrohre müssen regelmäßig gereinigt werden, um Verstopfungen und Wasserschäden zu vermeiden – mindestens zweimal jährlich, im Herbst nach dem Laubfall und im Frühjahr. Die Grundleitungen sollten alle fünf bis zehn Jahre per Kamerabefahrung inspiziert werden, um Risse, Wurzeleinwüchse oder Ablagerungen frühzeitig zu erkennen. Regenwassernutzungsanlagen benötigen eine jährliche Wartung des Filtersystems und der Pumpe.
Eine professionelle Hausverwaltung überwacht die Entwässerungsanlagen, plant Wartungsintervalle, prüft die korrekte Berechnung der Niederschlagswassergebühr und berät die Eigentümergemeinschaft über Einsparmöglichkeiten durch Regenwassernutzung oder Versickerung. So wird die Entwässerung vom reinen Kostenfaktor zur Chance für nachhaltiges Wirtschaften.
Bildquellen: Titelbild © Erik Mclean / Pexels · Bild 1 © Nataliya Vaitkevich / Pexels · Bild 2 © Anton Mislawsky / Pexels



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