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Fensteraustausch im Mehrfamilienhaus 2026: GEG-Pflichten, Kosten, Foerderung und WEG-Praxis

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  • vor 2 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Fensteraustausch im Mehrfamilienhaus 2026: Pflicht, Kosten und Umsetzung

Der Austausch alter Fenster ist eine der wirkungsvollsten Massnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs in Wohngebaeuden. In vielen Bestandsgebaeuden sind Fenster aus den 1970er und 1980er Jahren immer noch verbaut - mit einem Waermedurchgangskoeffizienten (U-Wert), der ein Vielfaches heutiger Anforderungen betraegt. Fuer WEG, Vermieter und Verwalter ist der Fensteraustausch 2026 damit ein zentrales Thema an der Schnittstelle von Energie, Recht, Foerderung und Wohnkomfort.

Rechtsgrundlagen: GEG, Denkmalschutz und WEG-Regelungen

Das Gebaeudeenergiegesetz (GEG) legt in Anlage 7 die Mindestanforderungen an neu eingebaute Fenster fest. Aktuell darf der U-Wert bei aussen liegenden Fenstern in Wohngebaeuden 1,3 W/(m2K) nicht ueberschreiten; bei Fenstern mit besonderer Verglasung gelten leicht abweichende Werte. Wer im Bestand mehr als 10 Prozent der Fensterflaeche einer Fassadenseite austauscht, muss die GEG-Anforderungen einhalten. Bei denkmalgeschuetzten Gebaeuden gelten Ausnahmen, die aber immer mit der zustaendigen Denkmalschutzbehoerde abgestimmt werden muessen.

In der WEG sind Fenster gemaess herrschender Rechtsprechung des BGH regelmaessig zwingendes Gemeinschaftseigentum - auch dann, wenn die Teilungserklaerung anderes vorsieht. Der Austausch ist damit grundsaetzlich Sache der Gemeinschaft und wird durch Beschluss der Eigentuemerversammlung geregelt. Nur bei Wohnungseingangstueren und Innenverglasungen ergeben sich Sonderfaelle. Fuer Mieter besteht kein Anspruch auf Austausch, wohl aber ein Duldungsrecht nach vorheriger Modernisierungsankuendigung.

Moderne Fenster in einer Gebaeudefassade

Materialien, U-Werte und technische Auswahl

Bei der Materialwahl konkurrieren Kunststoff-, Holz-, Holz-Aluminium- und reine Aluminiumfenster. Kunststofffenster sind guenstig und wartungsarm, Holzfenster bieten Wohnkomfort und Denkmalschutztauglichkeit, Aluminium ueberzeugt bei grossen Formaten und Fassadenoptik. Fuer hoehere energetische Anforderungen empfehlen sich Dreifachverglasungen mit U-Werten um 0,7 bis 0,9 W/(m2K), waermegedaemmten Randverbund (Warme Kante), Schallschutzverglasung und moderne Beschlaege mit Einbruchhemmung nach RC-Klassen.

Neben dem Fenster selbst ist der fachgerechte Einbau entscheidend. Die RAL-Montage nach dem Leitfaden zur Planung und Ausfuehrung der Montage von Fenstern und Haustueren verhindert Waermebruecken und Feuchteschaeden. Auch die Anschluesse an Aussendaemmung, Innenputz, Fensterbank und Rollladenkasten muessen sauber ausgefuehrt werden - andernfalls drohen Schimmel und Bauschaeden.

Kosten und Foerdermoeglichkeiten

Die Kosten fuer den Fensteraustausch im Mehrfamilienhaus liegen 2026 je nach Groesse, Material und Verglasung ueblicherweise zwischen 700 und 1.400 Euro pro Fenster inklusive Einbau. Ein durchschnittliches Mehrfamilienhaus mit 30 Fenstern muss daher mit einer Gesamtinvestition zwischen 25.000 und 45.000 Euro rechnen. Bei denkmalgeschuetzten Gebaeuden koennen Kastenfenster oder Sonderloesungen die Kosten deutlich erhoehen.

Foerdermoeglichkeiten bieten die Bundesfoerderung fuer effiziente Gebaeude (BEG) ueber die BAFA und die KfW. Fuer den Fenstertausch gibt es typischerweise Zuschuesse von 15 Prozent, mit iSFP-Bonus zusaetzlich 5 Prozent - somit bis zu 20 Prozent der foerderfaehigen Kosten. Wichtig: Der Foerderantrag muss vor Auftragserteilung gestellt werden, und die neuen Fenster muessen bestimmte U-Wert-Anforderungen erfuellen (aktuell U 0,95 W/(m2K) fuer Fenster).

Modernes Wohngebaeude mit erneuerten Fenstern

Beschluss in der WEG und Modernisierungsumlage

Der Fensteraustausch ist regelmaessig eine Erhaltungs- oder Modernisierungsmassnahme und wird mit einfacher Mehrheit beschlossen. Handelt es sich um eine reine Erhaltung (Ersatz gleichwertiger Fenster wegen Verschleiss), traegt die Gemeinschaft die Kosten aus der Ruecklage oder ueber Sonderumlage. Bei Modernisierung (Verbesserung durch bessere Waerme- oder Schallschutzwerte) koennen Kosten nach Miteigentumsanteil verteilt oder in besonderen Faellen individuell zugerechnet werden.

Fuer Vermieter besteht nach Paragraph 559 BGB die Moeglichkeit, 8 Prozent der modernisierungsbedingten Kosten jaehrlich auf die Miete umzulegen. Voraussetzung ist eine formell korrekte Modernisierungsankuendigung nach Paragraph 555c BGB mindestens drei Monate vor Baubeginn und die Beachtung der Kappungsgrenze (aktuell drei Euro pro Quadratmeter binnen sechs Jahren). Eine sorgfaeltige Dokumentation der Kosten ist Pflicht.

Ablauf und Baustelleorganisation

Der Fensteraustausch in bewohnten Mehrfamilienhaeusern erfordert eine sorgfaeltige Baustellenorganisation. Ueblich sind zeitlich versetzte Einbauten je Wohnung, feste Ansprechpartner fuer die Bewohner, klare Regeln zu Baustaub und Laerm sowie eine detaillierte Zutrittsplanung. Der Verwalter koordiniert Handwerker, Bewohnerinformation und Abnahmen. Nach Abschluss der Arbeiten sollten Dichtigkeit und Funktion aller Fenster protokolliert werden.

Praxistipp: Fenster nicht isoliert betrachten

Der Fenstertausch entfaltet seine volle Wirkung nur im Zusammenspiel mit Fassadendaemmung, Lueftungsstrategie und Heizungsanlage. Wer nur Fenster tauscht, kann durch die dichtere Gebaeudehuelle unbeabsichtigt Schimmelrisiken erhoehen. Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) verbindet die einzelnen Massnahmen zu einem stimmigen Konzept und sichert zugleich attraktive Foerderboni.

Der Austausch von Fenstern im Mehrfamilienhaus ist ein anspruchsvolles Projekt zwischen Recht, Technik und Foerderung. Eine erfahrene Hausverwaltung koordiniert Ausschreibung, Beschlussfassung, Foerderantrag und Bauabwicklung, informiert die Bewohner rechtzeitig und dokumentiert alle Schritte revisionssicher. So werden aus alten Zugluftquellen effiziente Bauteile, die Energieverbrauch senken, Wohnkomfort steigern und den Wert der Immobilie langfristig sichern.

Bildquellen: Titelbild (c) Pexels - Bild 1 (c) Pexels - Bild 2 (c) Pexels

 
 
 

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